Digitale IR-Fotografie

Ein Beitrag von Peter Küllmer aus Rheda Wiedenbrück

Foto: Peter Küllmer
IR Fotografie

Bei der lnfrarot-Fotografie denkt so mancher an Aufnahmen, die Wärmeabstrahlung sichtbar machen. Doch nur die so genannte Thermofotografie erfasst extreme IR-Bereiche, die jenseits der Wahrnehmung eines handelsüblichen Kamerasensors liegen.

IR-Foto-Aufnahmen in schwarz-weiß zeichnen sich durch folgende Charakteristiken aus:

– Der Himmel und das Wasser werden je nach Sonnenstand und dem Anteil der IR-Strahlung fast schwarz wiedergegeben.

– Wolken und Schnee bleiben weiß.

– Gras und Blätter fallen sehr hell aus, als wären sie von Schnee bedeckt (s.g. Wood Effekt).

– Entfernte Details werden mit bemerkenswerter Klarheit wiedergegeben.

Foto: Peter Küllmer
IR Fotografie

Das infrarote Licht besitzt erstaunliche Eigenschaften:

Blätter von Laubbäumen erscheinen je nach der Grünung silbrig-weiß.

Dies liegt an der Eigenschaft des Chlorophylls ein lR-Licht abzustrahlen, was die Blattzellen davor bewahrt, in der Sommerhitze gegrillt zu werden. Nadelbäume haben diesen Schutz weniger nötig. Sie erscheinen daher auf lR-Fotos dunkler. Der Himmel erscheint verfinstert, während sich Wolken klar und deutlich von ihnen abheben. Ein lR-Licht durchdringt den Dunst in der Atmosphäre, was Fotos mit atemberaubender Fernsicht erlaubt – dies gilt allerdings nicht für Smog mit Staubpartikeln oder wassergesättigten Nebel.

Fast jede Digitalkamera ist in der Lage lR-Bilder aufzunehmen.

Ein einfacher Test gibt Gewissheit:

Man hält eine TV-Fernbedienung in Richtung 0bjektiv, drückt sie, und schaut gleichzeitig auf
den Kameramonitor. Wenn ein heller Lichtpunkt erscheint, darf man sich freuen. Falls das Display schwarz bleibt, ist der lR-Sperrfilter vor dem Sensor zu stark ausgelegt.

Im Normalbetrieb ist er aber durchaus sinnvoll, denn er verhindert dass das fürs Auge unsichtbare Licht vom Sensor als Bildinformation missverstanden wird und damit auch flaue Fotos entstehen.

Ein generelles Problem ist jedoch die Bildvorschau.

Am schlechtesten ist man mit einer DSLR – ohne Live-View dran.

Denn die Kamera interessiert nicht, was nach einer Belichtungszeit von etwa 30 Sekunden herauskommt, sondern zeigt, was sie sieht – nämlich geradezu eine Schwärze.

Eine weitere Eigenschaft sollten Kameras auch besitzen um gute lR-Aufnahmen zu liefern, denn die Belichtungszeiten liegen meist bei fünf Sekunden oder mehr.

Es ist höchst nützlich, das die Bilddaten im Raw-Format abgespeichert werden, da eine Nachbearbeitung sie damit eindrucksvoller macht.

Objektive:

Gerade ältere, manuell zu fokussierende Modelle aus analogen Zeiten weisen noch eine rote

Foto: Peter Küllmer

Markierung ,,R“ auf. Sie hilft zu einer optimalen Fokussierung – auch bei einer starken lR-Einstrahlung.

Da heute kaum eine Objektivvergütung auf lR-Licht ausgerichtet ist, kommt es leicht zu hellen Blendenflecken (s.g. Hotspotts) oder ähnlichen optischen Fehlern. Hauptursache hierfür ist, dass die Vergütungsschicht nicht für einen extremen lR-Lichteinfall ausgelegt ist. Aus ähnlichen Gründen neigen insbesondere Zoomobjektive zur Lichtstreuung im Strahlengang, welches zu unscharfen Bildern oder gar zu s.g. Blendenflecken führt.

Das Fazit lautet also bevorzugt Festbrennweiten für die IR-Fotografie zu verwenden und deren Verwendbarkeit vorher zu prüfen (Test finden sich dazu im Netz).

Filter:

Die Bildergebnisse im Original sind noch rot und lila, doch kann man sie in jedem Bildbearbeitungsprogramm leicht in Graustufen umwandeln.

Ein lR-Filter ist grob gesagt extrem dunkelrot eingefärbt, so dass nur langwelliges IR-Licht hindurch geht. Er darf jedoch nicht mit einem lR-Sperrfilter (grünlich) verwechselt werden,

Der Kamerasensor ist fähig Wellenlängen bis 1,100 Nanometern zu erfassen.

Schwache Filter (z.B. < 695nm) eignen sich gut, damit noch etwas Restfarbe im Bild verbleibt, die sich per Bildbearbeitung noch verstärken lässt. Hingegen sind starke Filter (z.B. >760nm – 950nm) eher für reine Schwarz- Weiß-Aufnahmen geeignet.

Hauptsächlich finden daher auch Filter im Wellenbereich von 720 nm eine Anwendung und Verbreitung.

Filter-Anbieter sind z.B.: Hoya, Tiffen, Lee, Heliopan, Zomei, oder von Fa. Schneider in Bad Kreuznach die Filter von B+W.

Schrittweise geht man praktisch wie folgt vor:

Absolute Windstille, denn bei Verschlusszeiten von mehreren Sekunden würden sich die Blätter bewegen und damit auch unscharf abgebildet werden.

1. Ein Stativ ist unabdingbar, daher wird es in jedem Fall aufgebaut.

2. Noch bevor der Filter vor der Frontlinse sitzt, sollte der Bildausschnitt feststehen.

Später ist von ihm – je nach Kamera und Filterstärke – wenig bis gar nichts auf dem Display zu sehen.

3. Aus demselben Grund muss man zuvor auch manuell aufs Motiv fokussieren.

Foto: Peter Küllmer
IR Fotografie

Wesentliche Kameraeinstellungen:

– Um das Bildrauschen auf ein Minimum zu halten, ist eine Begrenzung der Lichtempfindlichkeit auf lS0 100 sinnvoll,

– Bevorzugt sind Landschaften, die mit einer ausgedehnten Schärfentiefe, also einem hohen Blendenwert erfasst werden können. Es sollte aber nicht der höchste sein, da hier eine Beugungsunschärfe droht. Man bleibt somit möglichst bis drei Blendenstufen unter dem Maximum.

3. Ein mittlerer bis starker lR-Filter erfordert lange Belichtungszeiten. Beim ersten Anblick enttäuschen jedoch sehr viele lR-Fotos. Sie sind einfarbig, unnatürlich Rot bis Lila und wirken dazu auch noch unscharf.

Bearbeitung:

Wer einen schwachen lR-Filter verwendet, erhält ein Foto mit Anteilen des natürlichen Farbspektrums.

Für diesen Fall sollen Bildelemente wie die Blätter korrigiert werden, damit sie weiß werden. Eine Restfarbe kann und darf somit erhalten bleiben.

Ansehnliche Ergebnisse sind auch nur im Ausgabekanal ,,Rot“ erzielbar. Dort wird der Quellkanal ,,Rot“ auf -100 gesetzt, ,,Blau“ und ,,Grün“ auf +100.

Die Resultate bedürfen aber immer noch Feinarbeiten – wie etwa im Menü für den Bereich von ,,Farbton“ und „Sättigung“.

(eine auszugsweise und inhaltsmäßige Wiedergabe eines Artikels der Fotozeitschrift „FotoHits“ , Ausgabe 03/2017 )

Ich wünsche Euch viel Erfolg.

Peter Küllmererausfinden